Karl Meier

Chronist des deutschen Hundesports & idealistischer Samm­ler alter Hundeliteratur

Karl Meier, gelernter Schreiner und selbst über viele Jahre Hundezüchter („vom Meier­hof“ – 1. reinrassiger Wurf im Februar 1961) verschiedener Ras­sen wie z.B. Dackel Lang­haar, Pudel, Chow-Chow, Whippet, Afghane und Dobermann … betrieb eine Hundepen­sion und einen Hunde-Salon. Später widmete er seine ganze Freizeit dem Hundesport und kaufte alles, was an alter Hundeliteratur zu finden war, weil er sich für das Geschichtli­che im Hundesport interessierte. Mit Hilfe dieser antiquarischen kynolo­gischen Bücher, Zeitschriften, Ahnentafeln, Ausstellungs- und Händler-Kataloge er­stellte er gezielt chro­nologische Zusammenstellungen. Er wollte Hundezucht- und Hun­deklub-Geschichte bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich machen, denn leider besitzen weder der Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. noch die meisten älteren Spezialrasse­hundevereine zugängliche eigene, ausführliche große Archive. Vieles ist in den Kriegs­jahren und bei häufigen Vorstandswechseln verloren gegangen.

Begonnen hat Karl Meier mit dem Zusammentragen alter Ahnentafeln. (Es sollen sich über 6000 Original Ahnentafeln aus über 40 Ländern und über 600 verschiedenen Verei­nen bzw. Zuchtbüchern von über 200 Rassen in seinem Besitz befunden haben.) Wahr­scheinlich besaß er über 1000 Druckausgaben über Hunde mit Schwerpunkt auf alten Hunde-Zeitschriften (insgesamt über 500 verschiedene allgemeine Hunde-, Vereins- und auch Jagd-Zeitungen).

Karl Meier’s Traum war eine detaillierte „Chronik der deutschen Hundezucht- und seiner Vereine“. In über 10-jähriger Arbeit kam er laut eigenen Angaben auf ein ca. 900 Seiten starkes Werk, für welches er jedoch keinen Verleger finden konnte, obwohl es noch nie zuvor eine derartige Zusammenstellung gegeben hatte. Für solch ein rein geschichtli­ches Hundebuch schien kein Käuferkreis vorhanden zu sein.

Einige Teilbereiche seiner Sammlung hat Karl Meier dann im Eigenverlag für geschichtli­che Kynologie herausgebracht. An die Veröffentlichung des Gesamtwerks wagte er sich aus finanziellen und logistischen Gründen aber nicht.

Seine Chroniken sind Zusammenstellungen mit Übernahmen alter Originalartikel, die von ihm mit erläuternden Anmerkungen versehen wurden. Die Wiedergabequalität, vor allem der Bilder, konnte - da es sich um Kopien von Dokumenten und Beiträgen aus al­ten Zeitschriften handelte - nicht gut sein, auch sind die Seiten nicht optimal strukturiert und chronologisch genau wiedergegeben. Dem historischen Wert tut dies jedoch  keinen Abbruch.

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Im seinem Eigenverlag erschienen sind als „ganz besondere Hundebücher“ im gebun­denen DIN A4 Format:

Chronik der Deutschen Hunde-Zeitungen - Ein Streifzug durch alte Hunde-Zeitungen, mit einem Anhang „Alte ausländische Hunden-Zeitungen“, 1994 - 248 Seiten, Hardco­ver, ge­bunden, DM 65,-. (Original im Archiv) – „Meier“ Nr. 2
Dieses 1. Buch präsentiert Zeitungen und Zeitschriften im Zeitraum von ihren Anfängen bis zur ersten Nachkriegszeit. Man lernt 59 Erstausgaben kennen. 192 deutsche und 26 ausländische Zeitschriften ab 1819 bis um 1945 konnte Karl Meier belegen und abbil­den. Es sind Tierzeitschriften mit Hundeteil und selbstständig erscheinende Hundezei­tungen aufgeführt, aber auch Beilagen und sporadisch erscheinende Fachblätter. Meist werden die Titelblätter und evtl. die 1. Seite wiedergegeben sowie Verweise auf Verleger und Schriftleiter genannt. Es wird ein Einblick in die vielfältige Erscheinung, das kynolo­gische Verständnis und das Geschehen dieser Zeit gegeben. Das Buch, beginnend ab 1876, streift alle Hunderassen und Vereine. Für Collie- und Sheltieliebhaber sind die vor­gestellten Der Collie - Blätter für Collie-Freunde von 1902, 1922 & 1932 und Der Collie­freund der ehemaligen DDR von 1966 von Interesse.

Die Weimaraner Chronik, 1895 – 1995 – 100 Jahre seit der Anerkennung der Weimaraner als Rasse durch die D.C., 1995 - 80 Seiten, Hardcover gebunden, DM 40,-. (im Archiv) – Nr. 3
Das Buch beginnt mit einer Notiz aus dem Buch Unsere Freunde aus dem Thierreiche, welches 1854 erschienen ist. Darin werden Hunde des Großherzogs Carl von Weimar beschrieben, die er von König Maximilian I von Bayern erhalten hatte. Als Zeitgeschichte muss man auch die Inserate aus alten Schriften betrachten.

Kleinhunde Weg – Die Geschichte der Kleinhunde in Deutschland, 1996 -  96 Seiten, Hardcover gebunden, DM 40,-. (im Archiv) – Nr. 4
In diesem Werk kommen die Zwerghunde/Schoßhunde/Damenhunde Liebhaber durch Zeitungsartikel, Zeichnungen und Auszüge aus Zuchtbüchern auf ihre Kosten. Der da­mals tonangebende Kynologe E. von Otto fand Kleinhunde durchweg ungepflegt und vernachlässigt.

Die Leonberger-Chronik 1846-1996 – 150 Jahre Leonberger, 1996 - 144 Seiten, Hard­co­ver gebunden, DM 50,-. (Original im Archiv) – Nr. 5
U.a. wird ein Erinnerungsblatt an die 1. Hundeausstellung 1863 in Hamburg gezeigt. Die alten Berichte geben ein anschauliches Bild über die Probleme der Kynologen im ausge­henden 19. und jungen 20. Jahrhundert.

1923 bis 1996 „Leo-Zeitungen“, 180 Seiten, Buchform (fehlt im Archiv) – Nr. 6

Deutsche“ Pudel - Vereins-Chronik – 100 Jahre DPK, 1997 – 160 Seiten, Hardcover ge­bunden, DM 55,-. (Original im Archiv) – Nr. 7
Über die Pudelzucht und Zuchtverbände und ihren Werdegang bis zum heutigen Tag.

1943 bis 1945 – der „totale Krieg“ und seine „Kriegs-Zeitung“: Der Hund, 1997 (?) - 36 Sei­ten, Broschüre, DM 15,-. (Original im Archiv) – Nr. 8
In dieser Broschüre wird man an unsere dunkelste Vergangenheit erinnert. Ehemalige Vereine wurden durch Fachschaften ersetzt. Der Hund war die damals einzig zugelas­sene Reichseinheitszeitschrift, das amtliche Organ des Reichsverbandes für Hunde­wesen e.V. im Auftrag des Reichsführers SS, Beauftragter für das Diensthundwesen. In diesen 3 Jahren, ab April 1943 bis Februar 1945, erschienen insgesamt nur 12 Ausgaben von Der Hund. Die in Aussicht gestellte April Ausgabe 1945 wurde nicht mehr veröffent­licht.

1899 – 1999 Hütehunde – Deutsche Schäferhunde Chronik – 100 Jahre SV, 1999 – 100 Seiten Broschüre (Original im Archiv) – Nr. 42
Die Zusammenstellung bezieht sich nicht nur auf die heutigen favorisierten stockhaari­gen Deutschen Schäferhunde.

Chronik Deutscher Hunde-Ausstellungen – Das Ausstellungs Hundegeschichts-Bilder­buechlein, 2015 – 100 Seiten. (Original im Archiv). Diese Büchlein scheint nie in den Ver­kauf gegangen zu sein. Es war als Geschenk für gute Bekannte und Hundefreunde ge­dacht.

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Desweiteren konnte ich in nachfolgenden Zusammenstellungen ausgiebig stöbern:

Die Hundehändler aus der Gründerzeit, Auszug aus der großen „Chronik“, Seite 625 bis 652 und einige nicht nummerierte, 1996 - 39 Seiten

Altdeutsche Hütehunde, Bodenständige Hütehunde, Herdengebrauchshunde – 3 ver­schiedene Namen – für dieselben Hunde! Es gab und gibt Bemühunden – diese zu retten! 1997 – 24 Seiten Broschüre (im Archiv) – Nr. 26

Buchbesprechungen – eine Zusammenstellung der Besprechungen zu meinen Veröf­fentlichungen, 1994 bis 1997 – 44 Seiten – Nr. 31

Originalberichte zu „Engländer“ wissen es bekanntlich besser und Der deutsche Michel – der beschränkte Auslandsschwärmer, Auszug aus der „großen“ Chronik, 1998 - 20 Sei­ten Broschüre – Nr. 37

Verband Deutscher Kleinhundezüchter e.V. 1948 – 1998 (50 Jahre VK), 1998 – 84 Seiten Broschüre. Der VK übertrug Karl Meier die Aufgabe die ersten 25 Jahre Verbandsgesche­hen – aus seiner Sammlung heraus – darzustellen. – Nr. 39

Deutsche Vereins-Collie-Chronik und die *100-jährigen* unter besonderer Herausstel­lung des Mainzer Collie-Clubs – und alle dessen Nachfolgevereine. - 1999 – 110 Jahre – Collie-Klub – Das ganz andere Hundebuch, Eine Zusammenstellung aus der kynologi­schen Sammlung Karl Meier – 91522 Ansbach, D, Mai 1999 (Original Sammlung Eva-Maria Krämer) – 64 Seiten  – Nr. 43
Diese Broschüre wurde als Einzelstück erstellt, um Eva-Maria Krämer eine Freude zu machen. Sie war nie im Verkauf!

Dalmatiner in Deutschland, 2001 – 40 Seiten Broschüre.
Karl Meier widmete diese Broschüre seinem Freund und Dalmatinerkenner Burghard Hayek. – Nr. 51

Ahnentafeln, ihre Entwicklung, ihre Geschichte, 2005 - 38 Seiten

„Alano’s und deren Anschlussrassen“, Dogo Canario – vormals Perro de Presa Canario, Deutsches Hunde-Stammbuch (UCI), 2006 (?) – 28 Seiten ist eine Zusammenstellung für die Dogo Canarion Züchter im RZS-DHS als Geschenk.

Windspiele – die einstigen Jagdhunde, 2007 – 16 Seiten

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In Aufstellungen seiner fertiggestellten Zusammenstellungen stehen noch weitere sehr interessante Titel, z.B.
Nr. 9 - Der Deutsche Hunde-Sport – seine ältesten Vereine, Kynologen, Zuchtbücher und Ausstellungen
Nr. 10 - Seltene Einzelzeitungen
Nr. 11 - 23 Erstausgaben – Hunde-Zeitungen von 1876 bis 1952
Nr. 12 - Zwei Erstausgaben Leo-Zeitungen
Nr. 13 - Leonberger Vereinsnachrichten der ersten Nachkriegszeit
Nr. 14 - Zur Festschrift – 1998 – 50 Jahre Leonberger-Klub – des 1. Nachkriegs-Leonber­ger-Geschehen
Nr. 15 – Hovawart-Chronik
Nr. 16 – Boxer – vor und nach der ersten Vereinsgründung 1895
Nr. 17 - Die unendliche(n) Geschichte(n) der Deutschen Doggen-Zeitungen
Nr. 18 - Deutscher Kynologentag – 1891
Nr. 19 - Malteser und Zwerghund-Sport – 1924/1932
Nr. 20 – Der Mops – seine Geschichte und seine früheren Vereine
Nr. 21 - Meine Ermittlungen zu 6x Hunde-Zeitungen Der Hund
Nr. 22 - Deutsche Hundemuseum und kynologische Sammlungen
Nr. 23 - Otto Jahns – eine Zusammenfassung seiner kynologischen Veröffentlichungen
Nr. 24 - Ernst von Otto – ein Leben für die Kynologie und Aus den Anfänger des deut­schen Hundesports
Nr. 25 - Allgemeiner Deutscher Pudelklub (ADP) – etwas Nostalgie
Nr. 27 - Altes vom Hunde – Hundesteuer usw.
Nr. 28 - 1997/1998 – 100 Jahre seit der Wiederentdeckung des Deutschen Wachtelhun­des
Nr. 29 - Neuzüchtungen – Wolf-Chow jetzt als Eurasier bezeichnet und Deutsche Bären­hunde
Nr. 30 - VDH – ein rußiger Ofen – u.a. berichten auch Mitgliedsvereine was sie von ihrem Dachverband halten!
Nr. 32 – Dobermann -Chronik – 1890 bis 1999 – 100 Jahre Dobermann-Verein
Nr. 33 -Das Josef Klee Syndrom
Nr. 34 - Geschichten von deutsch-langhaarigen Jagdhunden
Nr. 35 - Die Geschichte des Berliner Hunde-Sports
Nr. 36 - Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels – der Begründer des deutschen Hundesports
Nr. 38 – Deutsche Doggen-Chronik – 1998 – 110 Jahre Deutscher Doggen-Club
Nr. 40 – Rottweiler Chronik, 1999
Nr. 42 – Geschichtliches von „Deutschen Bracken“, 1999
Nr. 44 – Ungarische Hirtenhunde – der Ko.K. – mit Nachfolger in Deutschland, 1999
Nr. 45 – Die Bordeaux-Doggen – ihre Geschichte und Vereine in Deutschland, 1999
Nr. 46 – Neufundländer und Landseer – deren Vereine in Deutschland, 2000
Nr. 47 – 2000 = 40 Jahre Wolf-Chow / Eurasier (u.a. auch eine Huldigung an den ehem. VDRG)
Nr. 48 – Chow-Chow in Deutschland und etwas von seinen verschiedenen Vereinen, 2000
Nr. 49 – Einiges aus meinen „Sammlungen“ – und von meinem „Schaffen“, 2000
Nr. 50 – Zwei Menschenleben – nicht für die „Katz“ – sondern für „Hunde“, 2000

Leider kann ich nicht sagen, ob diese Zusammenstellungen öffentlich erschienen oder ob es nur Kleinstauflagen-Broschüren für Freunde geworden sind. Kann jemand Licht ins Dunkel bringen?

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Wahrscheinlich war Karl Meier im Besitz der größten privaten kynologischen Sammlung in Deutschland. Nach seinem Tod, am 13.09.2019 im Alter von 88 Jahren, scheint sein Gesamtwerk für die Öffentlichkeit verloren. Seine Bücher- und Zeitschriftensammlun­gen wurden verkauft und in alle Himmelsrichtungen auseinandergerissen. Was mit sei­ner Ahnentafel Sammlung geschah, konnte ich nicht herausfinden.

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PS: 2001 schrieb Karl Meier in seiner Broschüre Dalmatiner in Deutschland etwas zu seinem Einstieg in die Deutsche Hundeszene: „Schon als Jugendlicher war ich ein gro­ßer Hundefreund, aber ein verhinderter Hundehalter – da ich von meinem Vater keine Er­laubnis bekam, einen Hund halten zu dürfen. Eigentlich gefielen mir viele Rassen sehr gut – Dalmatiner ganz besonders, ohne etwas über deren bes. Wesen etc. zu wissen – eben alleine wegen des schönen Ausstehens. … Als dann später nach Heirat u. Grund­stückserwerb eine Hundehaltung möglich wurde, kaufte ich mir eine Dalmatiner-Hün­din. … Sehr gerne hätten wir von ihr Nachwuchs gehabt, aber sie ließ sich mehrmals nicht belegen. Nachdem ein Interessent kam, entschlossen wir uns, diese wieder abzu­geben. …“

Eine kleine Anekdote zu Karl Meier und seiner Familie stand im vrz-kurier Heft 27 – Früh­jahr 1997: „Ich denke es war so im Jahr 1958, unser Sohn Harald war ca. 1 ½ bis 2 Jahre alt. Meine Frau und ich waren beide berufstätig. Söhnchen Harald wurde von meiner Schwiegermutter betreut. Eines Tages erhielten wir beide Anrufe von Oma, wir müssen sofort nach Hause kommen, Harald sei spurlos verschwunden. Nachdem wir dort ange­kommen waren, war gottseidank Entwarnung – er war wieder da! Und wo hatte Oma ihn gefunden – in der Hundehütte! Zu dieser Zeit hatte unsere Schäferhündin „Cora“ einen Wurf. Sie säugte freudestrahlend ihre 6 Jungen und unser Harald „daumenlutschend“ eng verschlungen bei seiner „Cora“! Ja unsere „Cora“ war ein ganz besonderer, unser (mein!) erster Hund, der bei uns unvergessen bleiben wird! …“

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PPS: Karl Meier war aktiv im VRZ e.V. (Vereinigte Rassehunde-Züchter - Nationaler Dachverband in der UCI) tätig, wo er zeitweise Zuchtbuchführer mit Herausgabe des DHS (Deutsches Hunde-Stammbuch), Schriftleiter der Verbandszeitung vrz-kurier und 1. Vorsitzender sowie Geschäftsstelle war. In seinen zahlreichen Publikationen schrieb er immer wieder kritische Kommentare zur deutschen Rassehundezucht – egal unter wel­chem Dachverband sowie historische Fachbeiträge in deutschen Hundezeitschrif­ten.


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